Wiedmann & Winz: Neues Technik-Center
Montag den 7.09.2015

Wiedmann & Winz: Neues Technik-Center

Manchmal liegt in einer Katastrophe auch gleich die Chance für einen Neuanfang. Nach der vollständigen Zerstörung der alten LKW-Werkstatt durch einen Kabelbrand im Jahr 2012 hat der Geislinger Logistikdienstleister Wiedmann & Winz ein Technikcenter gebaut. Es spielt für das Unternehmen im europäischen Landverkehr eine zentrale Rolle in puncto Sicherheit, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. „Dafür haben wir insgesamt 3,5 Mio. EUR in die neue Werkstatt investiert, in der wir sowohl Zugmaschinen als auch Trailer vollumfänglich warten und reparieren können“, sagt Dr. Micha Alexander Lege, einer der beiden Geschäftsführer von Wiedmann & Winz. Ziel sei, die Flotte länger auf der Straße zu haben.

DVSDer Standort umfasst außer der LKW-Werkstatt eine Waschanlage und eine Tankstelle. Diagnosegeräte und ein von der übrigen Werkstatt getrennter Bremsenprüfstand, mit dem auch Beladungssituationen simuliert werden können, zählen dabei ebenso zur Ausstattung wie ein Hubsteiger für Karosseriearbeiten sowie eine Hebeanlage, um ganze Lastzüge anzuheben. Mit einem Kran lassen sich schnell Motoren wechseln. Aufgrund der Grubenlänge können pro Grube mehrere Fahrzeuge gleichzeitig gewartet werden.

„Die Zuverlässigkeit der technisch immer komplexer werdenden Fahrzeuge und Auflieger lässt sich mit einer eigenen Werkstatt sehr viel besser gewährleisten“, meint Lege. „Über unser Telematiksystem Fleetboard können die Techniker online erkennen, welche Fehler im LKW auftreten, und so Probleme schneller beheben, bevor es unter Umständen zu einem Fahrzeugstillstand kommt.“ Man könne über Fleetboard sehr viel genauer in den Fuhrpark sehen, als dies früher der Fall gewesen sei.

Dabei wird die Online-Diagnose in Zukunft noch deutlich besser werden und laut Lege die Qualität der stationären Diagnosegeräte erreichen. Und auch eine „Online-Heilung“ von Fahrzeugen sei in absehbarer Zeit durchaus denkbar. Nicht nur die 100 unternehmenseigenen Daimler-LKW werden hier gewartet, auch LKW anderer Firmen können von der Technik profitieren. Denn um die Anlage optimal auszulasten sowie wirtschaftlich zu betreiben, sind externe Nutzer gern gesehen.

Aufgeschlossen für Innovationen

Die Qualität der logistischen Dienstleistung muss permanent überprüft und verbessert werden. „Aus diesem Grund sind wir generell jeglicher Innovation gegenüber sehr aufgeschlossen, wenn sie sich sinnvoll auf unser Geschäft auswirkt“, betont Lege. So ist Wiedmann & Winz Fleetboard-Pionier der ersten Stunde und sieht in der Telematiklösung aus dem Daimler-Konzern für die Zukunft großes Potenzial, was die Transparenz in den Prozessabläufen angeht. „Wir erhoffen uns von diesen Daten eine sehr viel höhere Planungsqualität von der Be- bis zur Entladestelle“, sagt Lege. „Das betrifft zum Beispiel auch die optimale Planung einer Fahrpause, den optimalen Tankpunkt auf der Strecke oder den noch effizienteren Umgang mit kurzfristig auftretenden Verkehrsstörungen.“ Ein genaues Controlling sei für die Transparenz in diesem sehr individuellen Geschäft mit wenigen regelmäßigen Abläufen entscheidend.

Und auch beim Thema (teil-)autonomer LKW will Wiedmann & Winz vorn mit dabei sein, wenn Daimler seine Systeme mit Anwendern testet. Kürzlich hat der Automobilhersteller bekanntgegeben, dass man noch in diesem Jahr mit dem Testbetrieb für (teil-)autonome LKW auf deutschen Autobahnen starten wolle. Die ersten Testfahrten sind in Baden-Württemberg geplant, das baden-württembergische Verkehrsministerium hat dafür gerade grünes Licht gegeben.

Die größten Vorteile für einen Transportdienstleister seien dabei die Erhöhung der Fahrsicherheit auf der Straße und beim Rangieren auf dem Hof, der wirtschaftlichere, weil verbrauchsärmere Betrieb der LKW oder längere Fahrzeiten und damit die bessere Nutzung der Kapazitäten, weil der Fahrer auf der Strecke entlastet werden kann. „Wir wollen aus Stehzeugen Fahrzeuge machen“, so Lege. „Doch um den LKW künftig noch deutlich wirtschaftlicher betreiben zu können, braucht es gemeinsame Anstrengungen von Politik, Herstellern, Spediteuren und Verladern.“

Und das am besten noch grenzüberschreitend – denn immerhin 40 Prozent der Flotte von Wiedmann & Winz sind täglich in Frankreich unterwegs, dem wichtigsten Auslandsmarkt des Geislinger Dienstleisters. Weitere wichtige Zielgebiete sind Spanien, Italien, Benelux und die Schweiz. (rok)