Keine Riesenlaster im Filstal
Montag den 7.09.2015

Werden Riesenlaster mit über 25 Meter Länge künftig auch durchs Filstal in Richtung Autobahn rollen? Wohl eher nicht. Die örtlichen Gegebenheiten lassen das kaum zu, ein Geislinger Spediteur winkt ab.

“Über den Geislinger Sternplatz werden keine Gigaliner rollen.” Dr. Micha Lege, Geschäftsführer der Geislinger Spedition “Wiedmann & Winz”, bringt die Diskussion über die neuen Großlastwagen auf den Punkt. Die neue Generation der Riesenlaster werde in erster Linie auf Autobahnen unterwegs sein und Logistikzentren oder große Produktionsbetriebe in unmittelbarer Nähe zu Fern- und Schnellstraßen ansteuern, sagt er.

Dass die 25,25 Meter langen Lkws ebenso wie die bisherigen, maximal 18,75 Meter langen Lastwagen über kleinere Landstraßen rollen oder gar in Städten unterwegs sein könnten, ist für Lege völlig unrealistisch. Die örtlichen Gegebenheiten seien für Großlastwagen meist ungeeignet, und der Gesetzgeber schiebt der uneingeschränkten Straßenbenutzung ohnehin einen Riegel vor, wie der seit Anfang 2012 laufende bundesweite Feldversuch beweist. Das bedeutet laut Lege: Die regionale Versorgung wird nach wie vor mit kleineren Fahrzeugen erfolgen. Die von den Gigaliner-Gegnern ins Feld geführte Gefahr steigender Unfallrisiken sowie der Überlastung älterer Brücken und einer Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße ist laut Lege nicht nachvollziehbar.

Der Jurist muss es wissen. Schließlich ist Lege Geschäftsführer eines der größten Logistikunternehmen in Süddeutschland mit mehreren Niederlassungen im In- und Ausland. Der Hauptsitz des insgesamt 200 Mitarbeiter zählenden Unternehmens ist im Geislinger Industriegebiet Neuwiesen. 150 Fahrzeuge, davon 100 eigene Lkw, sind täglich im Auftrag von “Wiedmann & Winz” auf Europas Straßen unterwegs. 18 Millionen Kilometer legt die Flotte im Jahr zurück.

Eigentlich beste Voraussetzungen, den Fuhrpark von “Wiedmann & Winz” mit Gigalinern zu erweitern. Doch Lege winkt ab. Für die neue Lkw-Generation gebe es in seinem Unternehmen derzeit keinen Bedarf. Die Wirtschaft strebe für die Großlastwagen ein zulässiges Höchstgewicht von 40 Tonnen an. Gigaliner hätten dann das gleiche Gesamtgewicht wie herkömmliche Sattel- und Lastzüge. “Unsere vorwiegend schwergewichtigen Güter können wir deshalb mit unserem bestehenden Lkw-Fuhrpark transportieren”, sagt Lege. Außerdem passe der Gigaliner nicht in das Unternehmenskonzept von “Wiedmann und Winz”. Der Einsatz des Gigaliners sei nur dort wirtschaftlich, wo Güter mit geringem Gewicht, aber großem Volumen wie beispielsweise Kühlschränke regelmäßig von einem Ort zum anderen befördert würden.

Große Produktionswerke oder Umschlagzentren in unmittelbarer Nähe zur Autobahn seien geeignete Ziele für die neuen Lang-Lkw. Im Unterschied dazu werde der Verkehr bei “Wiedmann & Winz” fast täglich neu geplant und finde meist außerhalb der für Gigaliner genehmigten Strecken statt. Denn die Riesenlaster dürfen nur auf bestimmten, von der jeweiligen Landesregierung frei gegebenen Straßen fahren. Für flexible und individuelle Einsätze sind sie nicht geeignet.

Doch für Lege liegen in dem speziell für die großen Lkw konzipierten Einsatzbereich die Vorteile auf der Hand: Zwei Gigaliner ersetzen drei herkömmliche Lkw. Das spare Treibstoff und schone die Umwelt, so Lege. Zwischen 20 und 30 Prozent reduziere sich unterm Strich der Spritverbrauch, und entsprechend geringer werde auch die Belastung mit Umweltschadstoffen. Außerdem leisteten die Gigaliner zumindest auf Autobahnen einen positiven Beitrag zur Verminderung der Verkehrsdichte und damit von Staus.

Auch die Verkehrssicherheit zöge nach Ansicht des “Wiedmann & Winz”-Geschäftsführers einen Vorteil aus dem vermehrten Einsatz der Gigaliner. Denn jeder Fahrer müsse geschult werden, bevor er hinters Steuer eines großen Lkws dürfe, und die Lkw selbst seien mit modernem, sicherheitsrelevantem Equipment ausgestattet. Straßen und Brücken würden die Gigaliner nicht beschädigen, meint Lege: Die 40 Tonnen maximal zulässiges Gesamtgewicht stünden bei herkömmlichen Lkws auf fünf, bei Gigalinern auf acht Achsen.

Zusatzinfo:

Feldversuch im Land

Riesenlaster Unter einem Gigaliner oder Euro-Combi versteht man eine lange Lkw-Kombination mit bis zu 25,25 Metern Fahrzeuglänge und bis zu 60 Tonnen Gesamtgewicht (in Deutschland maximal 44 Tonnen). Herkömmliche Lastzüge sind maximal 18,75 Meter lang. Seit rund drei Jahren laufen in Deutschland Feldversuche zum Einsatz der Riesen-Lkws. In Baden-Württemberg dürfen die Gigaliner seit Juli auf drei Autobahnabschnitten fahren, dazu gehört die A 8 zwischen Ulm und dem Kreuz Karlsruhe. SWP