Die Zukunft der Logistik ist schon hier und jetzt
Donnerstag den 16.03.2017

Die Zukunft der Logistik ist schon hier und jetzt

Ein Druck auf den blauen Knopf im Cockpit und der Highway Pilot übernimmt. Mit Tempo 80 fährt der schwarze Actros auf der rechten Spur der A 8, souverän weicht der 40-Tonner Dank des Assistenzsystems einem Pannenfahrzeug aus. Keine Hand hält das Lenkrad, Sensoren, Radar, Kameras und eine ausgeklügelte Software weisen ihm den Weg. Der Fahrer kann sich derweil um anderes kümmern als um den Verkehr: um neue Transportaufträge etwa oder Anfragen von der Disposition. Das Steuer kann er jederzeit wieder selbst übernehmen. Bei Störungen auf der Straße fordert der Highway Pilot ihn zum Lenken auf.

Zukunftsmusik? Keineswegs! Seit Oktober 2015 erprobt Daimler erfolgreich seinen „Future Truck“ auf deutschen Autobahnen. Geht es nach den Stuttgartern, soll der erste autonom fahrende Lkw in knapp zehn Jahren einsatzbereit sein.

„Mit der neuen Technik steigt die Sicherheit und die Effizienz im Fernverkehr“, sagt Dr. Micha Lege, Geschäftsführer von Wiedmann & Winz, der in einem vergleichbaren hightech-Fahrzeug in den USA selbst schon mitgefahren ist. Gerade bei langen Autobahnfahrten werden die Fahrer entlastet. Der Highway Pilot fährt sicherer als die Menschen, es gibt weniger Unfälle, der Verkehrsfluss verbessert sich, der Verbrauch sinkt im Schnitt um fünf Prozent.

Intelligente Technik

Selbst fahrende Lkw sind nur einer der Trends, die die Transportbranche dramatisch verändern werden. Ein anderer ist die Vernetzung. Die Fahrzeuge werden selbst zur Informationszentrale. Sie sammeln Daten über Verkehrssituation, Wetter, Lenk- und Ruhezeiten, tauschen sie untereinander und mit anderen aus. Der Lkw weiß, wann welche Entladerampe frei ist, wo es den günstigsten Diesel gibt und auf welcher Raststätte ein freier Platz zu haben ist. Er ist mit Frachtbörsen verbunden und mit der Fabrik, die Ladung anbietet. Er informiert den Kunden immer genau darüber, wann er mit seiner Ware rechnen kann. Von einer „Mobilitätsrevolution“ durch automatisiertes und vernetztes Fahren sprechen Experten.

Die Vernetzung erfasst nicht nur Fahrzeuge. Pakete, Bauteile, Maschinen oder Paletten lernen mithilfe von Sensoren zu hören, sehen und fühlen. Sie tauschen aktiv Informationen und organisieren sich teilweise selbst. Der Begriff „Industrie 4.0.“ steht für diese Entwicklung, gemeint ist die neue, vierte Stufe der Industrialisierung nach der Einführung der Dampfmaschinen, der Erfindung des Fließbandes und der Entwicklung der elektronischen Steuerung.

Eine Maschine kann künftig eigenständig signalisieren, ob sie ein Ersatzteil benötigt – und löst eine Bestellung aus. Intelligente Behälter erkennen, ob ihr Bestand an Schrauben, Muttern oder Scheiben dem Ende zugeht und verlangen automatisch Nachschub. Einzelne Teile und Komponenten melden sich bei fahrerlosen Transportern und teilen mit, wann und wo sie abgeliefert werden müssen. „Für die gleiche Logistikleistung werden weniger Menschen benötigt. Tätigkeiten wie das Packen, Verpacken oder Kommissionieren werden abnehmen. Stattdessen wird es darum gehen, komplexe Anlagen zu steuern und zu überwachen“, prognostiziert Dr. Micha Lege. „Die Schulung der Mitarbeiter, ihre digitale Fitness, wird deshalb immer wichtiger.”

Digitalisierung, Vernetzung, Automatisierung

Das sind die drei Triebfedern der Veränderung. Weitere technologische Entwicklungen kommen hinzu. Wo bislang auf dem Lager noch Handarbeit angesagt ist, wird sie immer mehr vom Kollegen Roboter übernommen. Das gilt etwa für die Be- und Entladung von Lkw, aber auch für das Verpacken und Palettieren von Gütern.

Datenbrillen versorgen die Mitarbeiter mit allen für die Kommissionierung notwendigen Informationen, sie erfolgt schneller und weniger fehlerhaft. Schon heute erlaubt die Radio Frequency Identifikation (RFID) – kleine Funketiketten, die an Paletten oder Stückgut befestigt sind – das Auslesen bereits im Karton. Geht ein Teil über den Ladentisch, wird dies direkt im Logistikzentrum registriert. Per RFID kann ein Paket mit dem Wissen ausgestattet werden, an welchen Ort es befördert werden soll. Erheblich prägen wird auch der 3D-Druck die Logistik. Er ermöglicht die Herstellung von Ersatzteilen direkt vor Ort, der Transport entfällt. Auch mit Drohnen wird experimentiert. Die Deutsche Post hat drei Monate lang auf der Nordseeinsel Juist Pakete per Drohne zugestellt. Google will ab 2017 US-Kunden aus der Luft beliefern.

Wo immer dies Sinn macht, nutzt Wiedmann & Winz schon jetzt neue Technologien und wird dies auch in Zukunft tun. „Als Mittelständler reagieren wir flexibel auf neue Trends und haben schon oft unsere Veränderungskompetenz bewiesen“, sagt Dr. Micha Lege. „Erfolgreich wird sein, wer ein effizientes Zusammenspiel aller Akteure durch Vernetzung ermöglicht: Logistiksystem, Infrastruktur, Kunde, Fahrer, Fahrzeug und Ladung.“