Interview mit Dr. Micha Lege, Geschäftsführer von Wiedmann & Winz

Silicon Valley meets Filstal-Valley: Entwickler aus Palo Alto diskutieren mit Wiedmann & Winz über neue digitale Produkte.

Langsam fährt der Actros 1842 vom Geislinger Betriebshof, am Steuer sitzt der Chef. Ab geht es auf die B466 zu einer REISE IN DIE ZUKUNFT.

Herr Dr. Lege, noch haben Sie das Lenkrad in der Hand, bald nicht mehr. Macht Ihnen das keine Angst?

Wichtig ist, dass wir beim autonomen Truck eine Chancen- und weniger eine Risikodiskussion führen. Ich bin im vergangenen Jahr in einem Freightliner Inspiration Truck mitgefahren. Da hat der Computer sehr genau gesteuert. Kein Hersteller wird Systeme verkaufen, die Menschen gefährden. Ein Großteil der Technologie wie der Spurassistent und automatisches Bremsen wird schon heute genutzt. Letztlich wird die Maschine sicherer fahren als der Mensch.

Auf einer Technology-Conference von Daimler Trucks in den USA zum Thema vernetzte Mobilität haben Sie
aus Kundensicht einen Vortrag gehalten. Was ist Ihnen wichtig?

Lkw generieren jede Menge Daten. Dazu gehören Informationen über die aktuelle Verkehrssituation, den technischen Zustand des Fahrzeugs oder Lenk- und Ruhezeiten des Fahrers. Vernetzt man diese Daten z. B. mit Informationen über Verladezeitfenster beim Kunden oder mit Fracht anbietenden Fabriken, dann wird der Transportprozess deutlich besser steuerbar und effizienter. Der Lkw muss an die Datenautobahn angeschlossen werden, die immer mehr zum Lebensnerv unserer Logistik wird.

Der Lkw biegt ab auf die A8. Das PPC Getriebe schaltet hoch bis 85 Stundenkilometer, Lege setzt den Abstandsregel Tempomat, Auffahrunfälle sind dadurch ausgeschlossen.

Wie stellt sich Wiedmann & Winz auf die neuen Technologien ein?

Im Fokus steht zunächst die Digitalisierungsstrategie unserer Kunden. Für die Industrie 4.0 benötigen Unternehmen z.B. den Echtzeitstatus ihrer Ware. Mit der Telematikausrüstung in jedem unserer Fahrzeuge und offenen IT-Lösungen im LKW und Lager stellen wir uns schon heute darauf ein. Die ständige Kommunikation mit allen Mitspielern wird gerade auch die Arbeit unserer Disponenten grundlegend verändern. Wir beobachten diese Entwicklung sehr genau und bringen unsere praktische Erfahrung in Gespräche mit Daimler und anderen Schrittmachern der Vernetzung ein. Und wir sorgen für die digitale Fitness unserer Mitarbeiter.

Sind Sie als Mittelständler nicht im Nachteil?

In Zeiten radikaler Veränderungen braucht man vor allem große Flexibilität und die Bereitschaft, einen eingeschlagenen Weg auch kurzfristig zu verlassen. Speed beats perfection! Gerade als inhabergeführtes mittelständisches Unternehmen mit schnellen Entscheidungsmöglichkeiten sehen wir für uns große Chancen in dem derzeit stattfindenden dynamischen Veränderungsprozess. Wir waren Ende der 1990er Jahre als damals noch deutlich kleineres Unternehmen Telematikpionier und haben die Einführung und Weiterentwicklung von FleetBoard begleitet. Darauf aufbauend treiben wir jetzt die Digitalisierung im Unternehmen voran.

Über steile Steigen geht es die Schwäbische Alb herunter zurück nach Geislingen. Dank höchster Retarderstufe steht ausreichend Bremskraft zur Verfügung. Der Fuß kann von der Bremse genommen werden, das Fahrzeug wird verschleißfrei gebremst.

Inwiefern werden die Kunden von den neuen Technologien profitieren?

Unsere Kunden werden zukünftig in Echtzeit völlige Transparenz über die Position der Waren, Abhol- und Ankunftszeit haben – eine Grundvoraussetzung für die Industrie 4.0. Die Lieferketten werden durch die zunehmende Vernetzung von Logistik und Produktion schneller und sicherer.